Zwischen Blumensträußen, Frühstücksresten und panischen Last-Minute-Pralinen-einkäufen sitzt irgendwo eine erschöpfte Mutter mit Kaffee in der Hand. Ich kenne sie gut. Ich bin sie.
Als Mutter von zwei Kindern habe ich ein leicht kompliziertes Verhältnis zum Muttertag. Nicht, weil ich keine lieben Zeichnungen mit schiefen Herzen mag — im Gegenteil. Sondern weil der Muttertag inzwischen wie ein seltsamer Mix aus Familienliebe, Blumenindustrie und sozialem Wettbewerb in Sozialen Medien wirkt.
Dazu gibt es noch Korea in meinem Leben.
Denn dort gibt es nicht nur Muttertag oder Vatertag. Nein. Dort gibt es einen gemeinsamen Tag für Mütter UND Väter – sehr effizient.
In Korea: Erst die Kinder feiern, dann die Eltern
In Südkorea wird am 5. Mai Kindertag gefeiert. Ein offizieller Feiertag übrigens. Die Kinder bekommen Aufmerksamkeit, Ausflüge, Geschenke und sehr wahrscheinlich Snacks – alles was Kinderherzen höher schlagen lässt.
Drei Tage später folgt am 8. Mai der Elterntag.
Nicht Muttertag. Nicht Vatertag. Elterntag.
Beide Eltern gemeinsam. Ein gemeinsamer Feiertag. Eine organisatorische Meisterleistung.
Als ich davon erfahren habe, dachte ich kurz:
„Moment mal. Das klingt verdächtig vernünftig.“
Denn seien wir ehrlich: Familienmanagement ist ohnehin schon kompliziert genug. Warum brauchen wir in deutschsprachigen Ländern eigentlich verschiedene emotionale Feiertage mit unterschiedlichen Regeln, Daten und Erwartungshaltungen?
Deutschland und Österreich machen es natürlich kompliziert
In Deutschland fällt der Vatertag traditionell auf Christi Himmelfahrt. Das bedeutet:
- Männer ziehen mit Bollerwagen los
- Getränke werden transportiert wie humanitäre Hilfslieferungen
- Irgendwann singt jemand sehr laut
- Niemand weiß genau, was das noch mit Vaterschaft zu tun hat
In Österreich wiederum findet der Vatertag am zweiten Sonntag im Juni statt. Warum? Gute Frage. Vermutlich damit Familien im deutschsprachigen Raum niemals einen gemeinsamen Kalenderdruck herstellen können.
Der Muttertag hingegen bleibt stabil am zweiten Sonntag im Mai. Wenigstens etwas.
Der Muttertag und die große Konsumfrage
Natürlich verstehe ich die ursprüngliche Idee hinter dem Muttertag. Wertschätzung. Dankbarkeit. Anerkennung für Care-Arbeit, Mental Load und die Fähigkeit, gleichzeitig Brotdosen zu packen und Streit über was auch immer zu schlichten.
Aber inzwischen fühlt sich der Muttertag oft an wie ein saisonales Verkaufsprojekt.
Plötzlich bekommt man Werbung mit Aussagen wie:
- „Sag Mama Danke mit Diamantschmuck.“
- „Liebe geht durch Küchengeräte.“
- „Nur schlechte Kinder kaufen keine Duftkerze.“
Ganz ehrlich:
Wenn ich mir etwas wünsche, dann keinen überteuerten Rosenstrauß am Sonntag im Mai.
Ich wünsche mir:
- dass niemand fragt, wo seine Sportsachen sind
- dass die Klopapierrolle ersetzt wird
- dass ich einmal nicht die Familienlogistikzentrale bin
Das wäre wahre Romantik.
Warum Kinder eigentlich die besseren Geschenke machen
Die schönsten Muttertagsgeschenke kosten meistens exakt null Euro.
Zum Beispiel:
- ein krumm ausgeschnittenes Papierherz
- ein Frühstück mit zu viel Marmelade
- ein „Mama, heute darfst du ausschlafen“ um 6:12 Uhr morgens
- ein Gedicht mit den Reimen „Herz“ und „Schmerz“
Kinder schenken wenigstens ehrlich.
Vielleicht brauchen wir weniger Pflichtgefühl und mehr echte Aufmerksamkeit
Was ich am koreanischen Elterntag spannend finde: Er wirkt weniger wie ein Wettbewerb zwischen Muttertag und Vatertag.
Mehr wie:
„Ihr macht das gemeinsam. Danke dafür.“
Und das gefällt mir eigentlich.
Denn Familienleben besteht selten aus perfekten Pinterest-Momenten. Es besteht aus:
- verlorenen Trinkflaschen
- Wäschebergen
- spontanen Kita-Viren
- und der täglichen Frage, warum Kinder niemals dort durstig sind, wo Getränke verfügbar wären
Vielleicht wäre genau das der bessere Feiertag:
Ein Tag ohne Perfektionsdruck. Ohne Konsumstress.
Ohne „Was schenkt man eigentlich noch schnell?“
Einfach ein ehrliches:
„Ihr gebt euch Mühe. Und das zählt.“
Fazit: Der Muttertag darf ruhig entspannter werden
Ich werde den Muttertag weiterhin feiern. Vermutlich mit selbstgemalten Bildern, halb verbranntem Toast und irgendeiner improvisierten Überraschung aus dem Kinderzimmer.
Und das ist auch gut so.
Aber vielleicht müssen wir aufhören, Familienliebe ständig in Geschenkpapier einzurollen.
Denn am Ende erinnern sich Kinder selten daran, welche Blumen gekauft wurden.
Aber ziemlich sicher daran, ob gemeinsam gelacht wurde.





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