Heute möchte ich mit dem Gedicht Herbsttag von Rainer Maria Rilke starten.

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Dieses Gedicht kam mir eben in den Sinn, als ich mich zum Schreiben hingesetzt habe. Denn heute ist es grau. Es hat geregnet und während ich gerade schreibe, regnet es immer noch.

Regen ist wunderbar und der Niederschlag so kostbar in Zeiten, in denen es so viel Trockenheit gibt. Aber es bedeutet auch, dass die Temperaturen gerade sinken und so langsam der Spätsommer in den Herbst übergeht. Gestern noch war es sommerlich warm mit über 28 Grad Celsius und persönlich fand ich es sehr, sehr angenehm.

Andererseits habe ich auch schon bemerkt, wie deutlich später die Sonne morgens auf- und früher am Abend untergeht. Das Licht ist ebenfalls schon sehr herbstlich.

Gestern Abend bin ich noch eine Runde joggen gegangen, um meinen Kopf einmal frei zu pusten und das Nervensystem aufgrund von zu hoher Alarmbereitschaft durch den Alltag mit Arbeit und Schule einmal bewusst durch Bewegung zu beruhigen.

Der Himmel hat sich zu diesem Zeitpunkt in all seiner Schönheit gezeigt und eine Hundebesitzerin eines Schäferhundes strahlte mich bei der zweiten Begegnung an, mit dem Hinweis, wie wunderschön der Abend und vor allen Dingen der Himmel ist.

In diesen Momenten – wie aber gerade in sehr vielen Momenten – bin ich einfach nur dankbar. Dankbar, dass sowohl meine Liebsten als auch ich gesund bin/sind und ich meinen doch so vollen Alltag insgesamt gerade sehr mag und sehr glücklich bin, so dass ich mich manchmal kneifen will, da ich auch sehr viele Zeiten und Phasen in meinem Leben kenne, an denen ich an mir selbst wie auch allem anderen gezweifelt habe.

Das Leben an sich war schwer, belastend und extrem anstrengend war. Daher kommt gleich die Frage auf: Habe ich genug an mir gearbeitet, so dass ich jetzt die Früchte ernten kann? Soll ich mich nun anderen Themen widmen oder gibt es vielleicht doch noch etwas, wovon ich mir vielleicht nur im geringsten zu träumen erlaubt habe, das ich bearbeiten möchte, um noch mehr Fülle erfahren zu dürfen?

Vielleicht bieten hier die Jahreszeiten auch einen zeitlichen Rahmen. Denn Fakt ist: Im Herbst lässt bei mir wie auch draußen in der Natur die Energie nach und im Winter mag ich am liebsten in den Winterschlaf gehen, mich zurück (in eine Höhle aka Bett) ziehen und eingemummelt schlafen. Geht es wem vielleicht auch so?

Kommentar verfassen

Ich bin Julia

und liebe meinen leicht chaotischen (Familien- und Berufs)Alltag und beschäftige mich sehr gerne mit der Frage, wie viele Heimat(en) es gibt und wie sie riecht, schmeckt und sich vor allem anfühlt.

Hier gibt es eine Mischung aus meinem persönlichen Gedanken, Buchempfehlungen, Rezepten und Reisen.

여기 오신 것을 환영합니다!

Let’s connect